Zwerg Zwergstatt Griebel Gräfenroda

DER ZWERG

Zwerge haben uns Menschen seit Urgedenken in Sagen, Märchen und Volksmythen begleitet. Tief verbunden mit der Erde kennen die kleinen Wesen Wege zu geheimen Schätzen und verfügen über vielfältige Naturkräfte. Menschenscheu verrichten sie Gutes wie Dämonisches, so sagt man, lieber im Verborgenen aber unermüdlich und mit großem Fleiß.

Kein Wunder, dass in der abgelegenen Region an der Nordseite des Thüringer Waldes der Fantasie vom Gnom eine bleibende Form gegeben wurde. Der Ton lag vor der Tür, die Gestalten der kleinwüchsigen Erwachsenen und Kinder, die unter Tage in niedrigen Gängen Eisenerz, Kupferschiefer, ja Gold und Silber abbauten, inspirierten zu seinem Antlitz: der überproportionale Kopf im Verhältnis zu einem zierlichen Körper, greisenhaft mit einem gewaltigen Bart, und die unverwechselbar rote Spitzmütze passend zum Kittel der Bergleute.

Zwerge fügten sich neben lebensechten Tierfiguren nahtlos in die Thüringer Idee spätromanischer englischer Gärten und Parkanlagen ein, die als natürliche Landschaften Ende des 19. Jahrhunderts vor Ort entstanden. Vom Thüringer Adel finanziell unterstützt gründeten sich so zahlreiche Tonfigurenbetriebe und prosperierten zu einem der europäischen Zentren für keramische Figurenproduktion. Wandertouristen und Heilsuchende bei Luftkuren in und um Gräfenroda machten den Wichtel aus Ton schließlich in allen Ecken des Landes und über die Landesgrenzen hinaus bekannt und beliebt. So eroberte der seit den frühen 20er Jahren als Gartenzwerg angepriesene Gnom letztlich auch die Schrebergärten der städtischen Bevölkerung, wo er deren Bedürfnissen angepasst gärtnerte, musizierte, las, vor sich hinträumte und angelte. Hier perfektionierte sich der Gartenzwerg in den Augen vieler als Verkörperung deutschen Wesens: kleinbürgerlich-gemütlich, ein bisschen spießig vielleicht, aber fleißig.