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TRADITION SEIT 1874

Die heutige Zwergstatt Gräfenroda blickt auf eine vier Generationen überspannende Familientradition zurück. Einiges ist geschehen bevor wir die ehemalige „Thonwaarenfabrik Phillip Griebel“ übernehmen durften.

Die Gründerjahre

Ihr Gründer, Philipp Griebel, schloß 1860 seine Lehre zum „Porzelliner“ ab. Anschließend erlernte er bei dem „Thierkopfproduzenten“ Heinrich Dornheim in Gräfenroda, das Handwerk eines „Thierkopfmodelleurs“. 1874 beendete er die Arbeit bei Herrn Heinrich Dornheim mit einem lobenden Abgangszeugnis.

In den Jahren 1880–1890 wirkte er, neben einigen anderen Modelleuren dieser Zeit in Gräfenroda, an der Entwicklung des bekannten Gräfenrodaer Gartenzwerges mit.
Im Jahr 1874 gründete Philipp Griebel seine eigene Firma.

Schon zwei Jahre später präsentierte seine Tonwarenfabrik hochwertige Tierfiguren auf der Leipziger Messe. Entgegen aller Behauptungen, der ‚Gnom‘ habe bereits in den 1870er Jahren in Gräfenroda das Licht der Welt erblickt, erweiterten sowohl Philipp Griebel als auch andere Tonwarenfabrikanten erst 20 Jahre später ihre Produktpaletten um den Zwerg. Doch mit qualitativ hochwertigen Vervielfältigungen zahlreicher Modelle schafften sie es, sich trotz der starken Konkurrenz in Böhmen oder Brandenburg die größten Anteile auf dem Markt zu sichern und den Gartenzwerg als Gräfenrodaer Urgestein international zu etablieren.

Die Kriegsjahre

Diesem Höhenflug von serieller Produktion und regionalem Wohlstand bereiteten die beiden Weltkriege ein bitteres Ende. Hatten nach dem ersten Weltkrieg noch 15 Hersteller überlebt, so existierten Mitte der 40er Jahre nur noch einige wenige, darunter die bis dahin von Philipp Griebels Söhnen August (1877–1954) und Wendelin (1884–1945) geführte Terrakottafabrik.

Doch statt an den früheren wirtschaftlichen Erfolg wieder anknüpfen zu können, sah sich das Familienunternehmen den neuen Hürden der sozialistischen Planwirtschaft gegenüber.

Von Planwirtschaft und Enteignung

Auf ein zeitweiliges Verbot der Produktion von im Sozialismus nicht nötigen Gartenzwergen durch das Ministerium für Wirtschaft in Thüringen folgte zwar die Genehmigung, die Herstellung wieder aufnehmen zu können, jedoch zunächst nur für den Export ins bürgerlich-kapitalistische Ausland und später– nur in sehr begrenztem Umfang – auch für den Binnenmarkt. Der Gartenzwerg wurde in seiner Heimat zur heißbegehrten, unter dem Ladentisch gehandelten Rarität und zum kostbaren Tauschobjekt gegen Ferienplätze oder Zement.

Dennoch schaffte es Willi Griebel (1920–2000), Sohn von Wendelin, die Firma im System DDR erst privat, dann halbstaatlich zu einem Betrieb mit über 50 Mitarbeitenden auszubauen und seinem qualitativ hochwertigen Kunsthandwerk treu zu bleiben. Selbst nachdem die DDR 1972 den Familienbetrieb enteignete und in das volkseigene Kombinat „VEB Gräfenroda-Keramik“ integrierte, prägte er als Betriebsteilleiter die Produktion.

Nach der ‚Wende‘

Die Wende im Jahre 1989 brachte die Firmen zurück in
die Hände ihrer Alteigentümer, die sich nun mit hohen Herstellungskosten und billigen und minderwertigen Massenproduktionen von Imitaten ihrer eigenen Vorbilder, vor allem aus dem asiatischen Raum, konfrontiert sahen. Einzig die seit 1990 von Reinhard Griebel (geb. 1953) (Bild) geführte „Zwergenmanufaktur Philipp Griebel“ konnte sich an angestammten Ort auf dem Markt zu behaupten.

Mit dem „Zwergenstübchen“ eröffnete Reinhard Griebel interessierten Kunden die Möglichkeit, sich mit seinem Kunsthandwerk direkt an der traditionsreichen Produktstätte zu versorgen. Die Auswahl war groß, schließlich verfügte er neben eigenen zahlreichen Kreationen von Tierfiguren und Gartenzwergen über ein vielfältiges Repertoire an Modellen früherer Terrakottabetriebe. Um diese Geschichte der einst florierenden Thüringer Tonwarenindustrie und des damit untrennbar verbundenen Gartenzwergs unvergessen zu halten, erschuf er in den späten Neunziger Jahren das bis heute lebendige Gartenzwergmuseum.

Die neue Generation

Die einzig verbliebene Gartenzwergmanufaktur Thüringens inspiriert dazu, sowohl regionale Tradition und kunsthandwerkliche Erfahrung zu erhalten, als auch mit Fantasie und Mut neue Wege zu gehen. Seit Januar 2021 bringen wir, Helma Ortmann und Heidrun Viehweg, als neue Eigentümerinnen der „Zwergstatt Gräfenroda“ frischen Wind in die alten Gemäuer, indem wir die gläserne Manufaktur aus- und umgebaut und dem firmeneigenen Werksverkauf zu einem neuen Gewand verholfen haben. Außerdem gibt es nun einen modernen Webshop. Der historische Formenbestand wurde erhalten, katalogisiert und aufbereitet. Das Gartenzwergmuseum bleibt geöffnet und wird zeitgemäß neukonzeptioniert. Und wir freuen uns auf die vielen Besucherinnen und Besucher, die in unseren Töpferkursen und Kunsthandwerk-Workshops selbst Hand anlegen wollen. Unser Café & Bistro „Philipp“ liefert die kulinarische Unterstützung.